Eigene Schokolade darfst du verkaufen, wenn du ein Gewerbe angemeldet, dich bei der Lebensmittelüberwachung registriert und deine Tafeln nach LMIV und Kakaoverordnung gekennzeichnet hast. Ob deine Herstellung zum meisterpflichtigen Konditorhandwerk zählt, klärst du mit der Handwerkskammer. Die größte praktische Hürde ist Wärme: Schokolade muss kühl lagern und im Sommer vorsichtig versendet werden.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
Was du beachten musst, wenn du Schokolade verkaufst
- GewerbeanmeldungWer regelmäßig Schokolade herstellt und verkauft, meldet ein Gewerbe an. Das gilt auch, wenn du nur zugekaufte Kuvertüre umschmilzt und zu Tafeln gießt. Das Gewerbeamt fragt nach deiner Tätigkeit und leitet die Anmeldung an Finanzamt und Kammern weiter.
- Handwerk oder Industrie klärenSchokoladenverarbeitung kann das Konditorhandwerk berühren, das in Deutschland zulassungspflichtig ist. Ob das bei dir zutrifft, hängt von Produkten und Herstellungsweise ab: Bean-to-Bar mit eigener Röstung und Conche wird anders bewertet als gefüllte Tafeln aus Kuvertüre. Frag die Handwerkskammer, bevor du investierst.
- Registrierung bei der LebensmittelüberwachungDu meldest deinen Betrieb als Lebensmittelunternehmer an. Die Behörde achtet auf saubere Räume, Temperaturkontrolle, Schädlingsschutz und eine nachvollziehbare Herkunft deiner Rohstoffe.
- Bezeichnungen nach KakaoverordnungBegriffe wie Schokolade, Milchschokolade oder weiße Schokolade sind an Mindestgehalte von Kakaobestandteilen gebunden. Wenn du mit Kakaoanteil wirbst, muss die Angabe stimmen. Prüf vor dem Etikettendruck, ob deine Rezeptur zur gewählten Bezeichnung passt.
- Allergene und SpurenMilch, Nüsse, Soja aus Lecithin und Gluten aus Keksstücken sind die häufigsten Allergene. Wer auf denselben Geräten Nusssorten und nussfreie Tafeln herstellt, sollte das Risiko bewerten und sauber dokumentieren, wie er auf Spuren hinweist.
- SteuernMit dem Gewerbe kommen Einkommen- und gegebenenfalls Gewerbe- und Umsatzsteuer. Ob die Kleinunternehmerregelung für dich passt, klärst du mit deinem Steuerberater. Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
Das hier ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung. Was in deinem Fall gilt, klärst du mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung, der IHK oder Handwerkskammer und deinem Steuerberater.
Wo du Schokolade verkaufen kannst
Manufakturverkauf und Märkte
Ein kleiner Verkaufsraum an der Manufaktur oder ein Stand auf Kunsthandwerker- und Weihnachtsmärkten bringt dir direktes Feedback zu Sorten und Preisen. Im Sommer ist der Marktstand wegen der Hitze schwierig.
Online-Shop
Schokolade ist leicht und hochpreisig, also grundsätzlich gut für den Versand. Zwischen Juni und August brauchst du Kühlverpackung oder machst eine Versandpause. Geschenkboxen und Abos funktionieren online besser als einzelne Tafeln.
Feinkost- und Geschenkeläden
Der wichtigste Kanal für kleine Manufakturen. Hier suchen Kunden Tafeln mit Geschichte, ungewöhnliche Sorten und schöne Verpackungen zum Verschenken, und sie zahlen dafür einen Preis, den kein Supermarkt erzielt.
Cafés und Hotels
Cafés verkaufen heiße Schokolade aus Drops oder Pulver und nehmen Tafeln für die Theke. Hotels legen Schokolade aufs Kissen, in die Minibar oder ins Willkommenspaket.
Firmenkunden und Großhandel
Schokolade mit Firmenlogo zu Weihnachten bringt größere Einzelaufträge. Großhandel lohnt erst, wenn deine Produktion stabil große Mengen schafft und deine Marge das verträgt.
Welche Läden Schokolade weiterverkaufen
Preis und Handelsspanne
Handgemachte Schokolade konkurriert im Regal nicht mit der Supermarkttafel, sondern mit anderen Manufakturen. Der Preis muss Kuvertüre oder Kakaobohnen, Verpackung, Ausschuss durch Fettreif und deine Zeit tragen. Beispielrechnung, angenommene Werte, alles netto: Eine 80-g-Tafel kostet im Feinkostladen 6 Euro, der Laden kalkuliert mit 40 Prozent Spanne auf den Verkaufspreis. Dein Händlerpreis liegt bei 3,60 Euro. Rechne mit dem Handelsspannen-Rechner, ob das mit deiner Rezeptur aufgeht, bevor du Händler ansprichst.
Eigene Schokolade herstellen und verkaufen: zwei Wege
Wer „eigene Schokolade“ sagt, meint meist einen von zwei sehr unterschiedlichen Betrieben. Der erste kauft fertige Kuvertüre, temperiert sie und gießt Tafeln mit eigenen Zutaten: Himbeere, Meersalz, geröstete Haselnüsse. Der zweite macht Bean-to-Bar, kauft also Kakaobohnen, röstet, mahlt und concht selbst. Rechtlich, finanziell und im Verkauf sind das zwei verschiedene Geschäfte.
| Kuvertüre veredeln | Bean-to-Bar | |
|---|---|---|
| Investition | Temperiermaschine, Formen, Kühlraum | Röster, Mühle, Conche, mehr Platz |
| Geschichte für den Handel | Sorten, Zutaten aus der Region | Herkunft der Bohnen, Anbaugebiet, Röstprofil |
| Typische Händler | Geschenkeläden, Hofläden, Cafés | Feinkostläden, Concept-Stores, Weinhandlungen |
| Preisniveau | Mittel bis gehoben | Gehoben, erklärungsbedürftig |
Beide Wege funktionieren. Wichtig ist, dass du weißt, welcher deiner ist, denn danach richten sich Händlerauswahl, Verpackung und Preis.
Selbstgemachte Schokolade aus der eigenen Küche
Viele starten mit Tafeln aus der Küche, die zu Weihnachten an Freunde und Kollegen gehen. Sobald daraus regelmäßiger Verkauf wird, reicht die Küche oft nicht mehr: Schokolade braucht konstante Raumtemperatur zum Temperieren, eine kühle Lagerung ohne Gerüche und eine Trennung von Privathaushalt und Produktion. Spätestens wenn ein Laden fünf Kartons bestellt, brauchst du einen Raum, in dem du gleichbleibende Qualität schaffst. Manche Gründer mieten sich dafür in eine Konditorei oder eine Gemeinschaftsküche ein, bevor sie eigene Räume ausbauen.
Was Händler bei Schokolade prüfen
Ein Feinkosthändler hat meist schon drei oder vier Schokoladenmarken im Regal. Bevor er eine fünfte aufnimmt, stellt er sich ein paar sehr praktische Fragen.
- Hält die Tafel mehrere Monate, ohne grau zu werden? Fettreif sieht nach verdorbener Ware aus, auch wenn sie es nicht ist.
- Übersteht sie das Schaufenster im Mai? Läden ohne Klimaanlage meiden empfindliche Sorten im Sommer.
- Erklärt die Verpackung in Sekunden, warum diese Tafel 6 Euro kostet und nicht 1,50 Euro?
- Gibt es eine Sorte, die sein Sortiment ergänzt, statt die vorhandene Marke zu kopieren?
Wer diese Fragen beim ersten Kontakt beantwortet, zum Beispiel mit einem kurzen Infoblatt zu Lagerung, Haltbarkeit und Sortenprofil, hebt sich von den meisten Manufakturen ab. Mehr dazu auf der Seite Schokolade und Pralinen für Feinkostläden.
Heiße Schokolade verkaufen: das Wintergeschäft für Cafés
Ein unterschätzter Kanal: Trinkschokolade aus Drops, Flocken oder Pulver. Cafés suchen im Herbst nach einer heißen Schokolade, die sich von der Standardmischung abhebt und für die sie einen höheren Preis auf der Karte verlangen können. Für dich ist das ein Produkt, das genau dann läuft, wenn Tafeln im Sommer schwierig sind. Viele Cafés verkaufen die Trinkschokolade zusätzlich in Gläsern oder Beuteln an der Theke.
Schokolade online verkaufen oder über Läden?
Online bekommst du die volle Marge, musst aber jeden Kunden selbst gewinnen, und die Versandpause im Sommer kostet Umsatz. Läden nehmen dir einen Teil der Marge, verkaufen aber jeden Tag an Laufkundschaft, die deine Marke sonst nie gefunden hätte, und bestellen nach. Für die meisten Manufakturen ist die Kombination am stärksten: Läden für Reichweite und Grundumsatz, der eigene Shop für Stammkunden und Geschenkboxen. LeadB2B hilft Herstellern dabei, gezielt Feinkost- und Geschenkeläden zu finden, die zur eigenen Preislage passen.
Schokolade verkauft sich am stärksten vor Weihnachten, Ostern und Valentinstag. Händler planen diese Saisons Wochen bis Monate vorher. Wer im September anfragt, ist für Weihnachten oft schon spät, wer im Juli kommt, ist dabei.