Selbstgemachte Marmelade darfst du verkaufen, wenn du dich als Lebensmittelunternehmer registrierst, in einer geeigneten Küche hygienisch arbeitest und dein Etikett der Konfitürenverordnung und der LMIV entspricht. Für regelmäßigen Verkauf brauchst du in der Regel ein Gewerbe. Wer davon leben will, braucht neben dem Markt feste Läden, die kartonweise nachbestellen.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
Was du beachten musst, wenn du Marmelade verkaufst
- GewerbeanmeldungWer regelmäßig und mit Gewinnabsicht Marmelade verkauft, meldet ein Gewerbe an. Ausnahmen gibt es etwa für landwirtschaftliche Betriebe, die eigenes Obst verarbeiten. Ob das für dich gilt, klärt das Gewerbeamt.
- Registrierung als LebensmittelunternehmerVor dem ersten Verkauf meldest du dich bei der Lebensmittelüberwachung deines Kreises. Die Behörde kann deine Küche besichtigen und Fragen zu Abläufen, Reinigung und Lagerung stellen.
- Geeignete KücheOb deine private Küche reicht, entscheidet die Lebensmittelüberwachung im Einzelfall. Oft scheitert es an der Trennung von Privat- und Produktionsbetrieb, an Haustieren oder an fehlenden Handwaschbecken. Viele Gründer mieten deshalb stundenweise eine gewerbliche Küche oder lassen in einer Lohnmanufaktur kochen.
- Bezeichnung nach KonfitürenverordnungDie Konfitürenverordnung regelt, was Konfitüre, Konfitüre extra, Gelee oder Marmelade heißen darf. Marmelade ist danach grundsätzlich Zitrusfrüchten vorbehalten, Erdbeere im Glas heißt im Handel meist Konfitüre oder Fruchtaufstrich. Pflicht sind außerdem Angaben zum Fruchtanteil und zum Gesamtzuckergehalt je 100 Gramm.
- Etikett und HaltbarkeitDazu kommen die LMIV-Pflichtangaben: Zutatenverzeichnis, Allergene, Füllmenge, Mindesthaltbarkeitsdatum, Losnummer, Hersteller. Das Mindesthaltbarkeitsdatum legst du selbst fest, also teste, wie lange deine Sorten mit deinem Zuckergehalt ungeöffnet stabil bleiben.
- SteuernJe nach Umsatz kommt die Kleinunternehmerregelung infrage oder du weist Umsatzsteuer aus. Läden brauchen eine ordentliche Rechnung. Kläre die Details mit deinem Steuerberater, dies ist keine Steuerberatung.
Das hier ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung. Was in deinem Fall gilt, klärst du mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung, der IHK oder Handwerkskammer und deinem Steuerberater.
Wo du Marmelade verkaufen kannst
Flohmarkt, Basar und Wochenmarkt
Gut zum Testen, welche Sorten laufen. Für dauerhaften Absatz zu klein, und auch auf dem Flohmarkt gelten Lebensmittelregeln, sobald du regelmäßig verkaufst.
Online-Shop
Gläser sind schwer und zerbrechlich, einzelne Gläser lohnen sich im Versand kaum. Funktionieren können Probiersets, saisonale Boxen und Geschenkpakete zu Weihnachten.
Hofläden, Feinkost- und Geschenkeläden
Der stärkste Hebel für kleine Manufakturen: Diese Läden suchen Aufstriche mit Geschichte und ungewöhnlichen Sorten, verkaufen sie für einen guten Preis und bestellen kartonweise nach.
Cafés, Bäckereien und Hotels
Für Frühstück und Kuchen brauchen sie Konfitüre in Portionsgläsern oder größeren Gebinden. Gleichzeitig verkaufen viele Cafés Gläser an der Theke mit.
Großhandel
Für kleine Mengen selbstgemachter Konfitüre selten passend, weil der Preis pro Glas stark sinkt. Interessant wird das erst mit großer Produktionsmenge.
Welche Läden Marmelade weiterverkaufen
Preis und Handelsspanne
Selbstgemachte Konfitüre wird oft zu billig verkauft, weil Obst und Zucker günstig wirken. Die eigentlichen Kosten stecken in Arbeitszeit, Gläsern, Etiketten und Ausschuss. Beispielrechnung, angenommene Werte, alles netto: Ein 220-g-Glas kostet im Feinkostladen 5,50 Euro, der Laden kalkuliert mit 35 Prozent Spanne auf den Verkaufspreis. Dir bleiben rund 3,58 Euro je Glas, von denen Zutaten, Glas, Deckel, Etikett, Küchenmiete und deine Stunden bezahlt werden müssen. Rechne deine Sorten im Handelsspannen-Rechner nach, bevor du die erste Händlerpreisliste verschickst.
Darf man eigene Marmelade verkaufen?
Ja. Der Unterschied liegt zwischen gelegentlich und regelmäßig. Wer einmal im Jahr auf dem Kita-Basar ein paar Gläser für die Kasse abgibt, wird anders betrachtet als jemand, der jeden Samstag einen Stand aufbaut oder Läden beliefert. Sobald du regelmäßig verkaufst, bist du Lebensmittelunternehmer: Registrierung, Hygiene, korrektes Etikett. Diese Seite gibt dir die Grundregeln, keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskunft gibt die Lebensmittelüberwachung deines Kreises.
Konfitüre, Marmelade, Fruchtaufstrich: welcher Name ist richtig?
Hier stolpern die meisten Gründer. Im Alltag heißt alles Marmelade, auf dem Etikett im Laden nicht. Die Konfitürenverordnung bindet die Bezeichnungen an Fruchtart, Fruchtanteil und Zuckergehalt.
| Bezeichnung | Wofür sie typischerweise steht |
|---|---|
| Konfitüre, Konfitüre extra | Fruchtaufstrich aus Früchten mit festgelegtem Mindestfruchtgehalt |
| Gelee | Aus Fruchtsaft statt ganzen Früchten |
| Marmelade | Grundsätzlich Zitrusfrüchten vorbehalten, etwa Orange oder Zitrone |
| Fruchtaufstrich | Häufig für Produkte, die die Vorgaben für Konfitüre nicht erfüllen, zum Beispiel mit weniger Zucker |
Lass dein erstes Etikett prüfen, bevor du 2.000 Stück drucken lässt. Ein falscher Name ist einer der häufigsten Gründe, warum Händler oder Behörden nachfragen.
Selbstgemachte Marmelade verkaufen: vom Hobby zur Manufaktur
Viele Manufakturen beginnen am Küchentisch mit Omas Rezept und Obst aus dem eigenen Garten. Der Sprung zur Manufaktur passiert, wenn das Obst zugekauft wird, die Sorten feststehen und die Menge planbar wird. Dann stellen sich andere Fragen: Wie viele Gläser kochst du pro Tag? Wie lagerst du sie? Und wer kauft sie, wenn die Wochenmarktsaison vorbei ist?
- Sortiment schärfen: lieber sechs Sorten mit Profil (Rhabarber-Vanille, Quitte, Bitterorange) als zwanzig Zufallssorten.
- Saisonplanung: Erdbeere im Juni kochen, Quitte im Oktober, und so viel einlagern, dass du bis zur nächsten Ernte lieferfähig bist.
- Einheitliches Glas und Etikett: Händler stellen lieber eine geschlossene Reihe ins Regal als Einzelgläser.
Weniger Zucker, kürzere Haltbarkeit
Viele Manufakturen werben mit wenig Zucker und viel Frucht. Das kommt bei Kunden gut an, hat aber zwei Folgen. Erstens darf das Produkt je nach Zuckergehalt nicht mehr Konfitüre heißen, sondern läuft oft als Fruchtaufstrich. Zweitens hält es nach dem Öffnen kürzer und muss gekühlt werden, was auf dem Etikett stehen sollte. Händler fragen genau danach, weil sie wissen wollen, wie lange ein Glas im Regal stehen darf. Teste deine Rezepturen deshalb über mehrere Monate, bevor du ein Mindesthaltbarkeitsdatum festlegst, und notiere die Ergebnisse. Wenn ein Laden später nach Schimmel in einem Glas fragt, hast du belastbare Unterlagen statt eines Bauchgefühls.
Welche Läden kaufen Konfitüre aus kleinen Manufakturen?
Hofläden passen, wenn deine Früchte aus der Region kommen. Feinkostläden suchen ungewöhnliche Kombinationen und hochwertige Gläser. Geschenkeläden verkaufen Konfitüre als Mitbringsel, gern im Dreierset. Cafés und Bäckereien nehmen dich fürs Frühstück und verkaufen Gläser an der Theke. Mehr dazu auf der Seite Aufstriche und Honig für Hofläden.
Bring jedem Laden ein offenes Probierglas für die Theke mit. Kunden, die probieren, kaufen häufiger, und der Händler sieht in der ersten Woche, welche Sorte zieht. Das ist dein bestes Argument für die Nachbestellung.
Wenn dein Sortiment steht und du mehr Läden willst, als du selbst abklappern kannst, hilft eine planbare Händlergewinnung. LeadB2B spricht passende Läden im Look deiner Marke an und leitet geprüfte Anfragen direkt an dich weiter.