Selbstgemachte Kerzen darfst du verkaufen, wenn du ein Gewerbe anmeldest, nur sichere Produkte in Verkehr bringst und die Kennzeichnungspflichten aus Produktsicherheit und, bei Duftkerzen, aus dem Chemikalienrecht einhältst. Für regelmäßigen Absatz sind Geschenkeläden, Concept Stores, Gartencenter und Hofläden die wichtigsten Wiederverkäufer.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
Was du beachten musst, wenn du Kerzen verkaufst
- Gewerbe anmeldenWer Kerzen regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkauft, betreibt ein Gewerbe. Das gilt für Etsy, Instagram und den Weihnachtsmarkt genauso wie für die Lieferung an Läden. Ein paar Kerzen als Geschenk für Freunde sind kein Gewerbe, ein laufender Verkauf schon.
- ProduktsicherheitKerzen sind Verbraucherprodukte und müssen sicher sein: Docht und Wachs müssen zusammenpassen, die Flamme darf nicht zu groß werden, Gefäße dürfen nicht springen. Teste jede Sorte mehrfach unter realen Bedingungen und dokumentiere die Ergebnisse. Die Grundlage dafür ist das Produktsicherheitsrecht der EU und Deutschlands.
- Herstellerangaben und SicherheitshinweiseAuf das Produkt oder die Verpackung gehören dein Name und deine Anschrift sowie eine Angabe, mit der sich die Kerze zuordnen lässt, etwa Charge oder Artikelnummer. Dazu kommen Sicherheitshinweise zum Abbrennen, zum Beispiel nie unbeaufsichtigt brennen lassen und Abstand zu brennbaren Gegenständen halten.
- Duftkerzen und ChemikalienrechtDuftöle enthalten oft Stoffe, die nach Chemikalienrecht (CLP-Verordnung) eine Kennzeichnung mit Gefahrenhinweisen oder einen Hinweis auf allergene Duftstoffe auslösen können. Fordere vom Lieferanten das Sicherheitsdatenblatt an und lass die Kennzeichnung deiner Duftkerze prüfen.
- Verpackung und VerpackungsregisterWer verpackte Ware an Endkunden verkauft, muss sich in der Regel im Verpackungsregister registrieren und an einem System beteiligen. Das betrifft Gläser, Kartons und Versandverpackungen.
- VersicherungEine Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung ist bei Kerzen besonders sinnvoll, weil ein Brandschaden teuer werden kann. Viele Händler fragen vor der Listung danach.
- Steuern und BeratungKläre Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung mit deinem Steuerberater. Keine Rechts- oder Steuerberatung: Im Zweifel fragst du IHK, Marktüberwachung oder Steuerberater.
Das hier ist ein allgemeiner Überblick, keine Rechts- oder Steuerberatung. Was in deinem Fall gilt, klärst du mit der zuständigen Lebensmittelüberwachung, der IHK oder Handwerkskammer und deinem Steuerberater.
Wo du Kerzen verkaufen kannst
Märkte und Workshops
Weihnachtsmärkte, Kunsthandwerkermärkte und Kerzen-Workshops sind ideal, um Düfte und Formen zu testen. Saisonal stark, im Rest des Jahres ruhig.
Etsy und eigener Onlineshop
Kerzen verkaufen sich online gut über Fotos und Geschenkideen. Der Wettbewerb ist aber groß, und ohne Werbung findet dich kaum jemand.
Geschenkeläden und Concept Stores
Der stärkste Kanal für regelmäßige Bestellungen. Diese Läden leben von schönen Mitbringseln und erneuern ihr Sortiment saisonal.
Gartencenter und Hofläden
Gartencenter haben große Deko- und Geschenkabteilungen, besonders im Herbst und vor Weihnachten. Hofläden passen gut zu Bienenwachskerzen aus der Region.
Hotels und Gastronomie
Hotels und Restaurants kaufen Kerzen für Tische und Zimmer oder verkaufen Duftkerzen mit dem eigenen Duft an Gäste.
Welche Läden Kerzen weiterverkaufen
Preis und Handelsspanne
Kerzen haben oft niedrige Materialkosten, aber viel Handarbeit. Der Fehler vieler Gründer: Sie rechnen nur Wachs, Docht und Glas und vergessen Arbeitszeit, Tests, Verpackung und Versand. Geschenkeläden kalkulieren mit einem deutlichen Aufschlag, weil sie Miete, Beratung und Dekoration bezahlen. Beispielrechnung, angenommene Werte: Material und Verpackung 3,20 Euro, Arbeitszeit 2,00 Euro, Abgabepreis an den Laden 9,50 Euro netto, Verkaufspreis 19,90 Euro. Mit dem Handelsspannen-Rechner prüfst du, ob dein Preis für den Handel funktioniert.
Darf ich Kerzen selbst herstellen und verkaufen?
Ja. Für Kerzen brauchst du keine Lebensmittelregistrierung und keinen Meisterbrief. Trotzdem sind Kerzen kein Hobbyprodukt ohne Regeln. Weil sie brennen, stehen Produktsicherheit und Kennzeichnung im Mittelpunkt. Du bist als Hersteller dafür verantwortlich, dass deine Kerze sicher abbrennt, und musst das im Zweifel belegen können. Wer Duftkerzen macht, hat zusätzlich mit dem Chemikalienrecht zu tun, weil viele Duftöle kennzeichnungspflichtige Stoffe enthalten. Keine Rechtsberatung: Im Zweifel fragst du IHK oder die zuständige Marktüberwachung.
Kerzen verkaufen: Was muss ich beachten?
- Abbrenntests machenJede Kombination aus Wachs, Docht, Duft und Gefäß mehrfach komplett abbrennen lassen. Flammenhöhe, Rußbildung, Hitze am Glas und Tunnelbildung notieren.
- Sicherheitsdatenblätter sammelnFür jedes Duftöl und jeden Farbstoff das Datenblatt vom Lieferanten anfordern und ablegen.
- Etikett gestaltenHerstellerangaben, Zuordnung zur Charge, Sicherheitshinweise und bei Duftkerzen die nötigen Gefahren- und Allergenhinweise einplanen, bevor das Design steht.
- Versicherung abschließenBetriebs- und Produkthaftpflicht klären, bevor die erste Kerze an einen Laden geht.
Viele Gründer gestalten zuerst ein schönes Etikett und merken dann, dass die Pflichtangaben nicht mehr draufpassen. Plane die Pflichtangaben deshalb von Anfang an mit ein, zum Beispiel auf einem Bodenetikett oder einer Banderole.
Imker-Kerzen aus Bienenwachs verkaufen
Viele Imker verkaufen neben Honig auch Kerzen aus eigenem Wachs. Das passt perfekt in den Hofladen und an den Marktstand. Steuerlich und gewerberechtlich kann der Kerzenverkauf aber anders eingeordnet werden als der Honig, besonders wenn du Wachs zukaufst oder viele Kerzen machst. Kläre das mit deinem Steuerberater. Die Regeln zur Produktsicherheit gelten für Bienenwachskerzen genauso wie für Duftkerzen.
Für den Handel ist Bienenwachs ein starkes Argument: Kunden verbinden es mit Natur, Region und Handarbeit. Erzähl auf dem Etikett, woher das Wachs stammt, und biete Händlern eine kleine Auswahl an Formen an, etwa Stumpenkerzen, Teelichter und gerollte Kerzen. So kann ein Hofladen mit einer einzigen Bestellung ein kleines Kerzenregal füllen.
Welche Läden kaufen Kerzen von kleinen Herstellern?
| Händlertyp | Was dort gut läuft | Wann einkaufen |
|---|---|---|
| Geschenkeläden | Duftkerzen im Glas, kleine Mitbringsel | Ganzjährig, Schwerpunkt Herbst |
| Concept Stores | Design, Naturwachs, schlichte Farben | Zum Sortimentswechsel |
| Gartencenter | Outdoor-Kerzen, Adventsdeko, Sets | Spätsommer für das Weihnachtsgeschäft |
| Hofläden | Bienenwachs, regionale Herkunft | Ganzjährig, Ostern und Advent |
Mehr zu den einzelnen Händlern findest du bei Geschenkartikel für Geschenkeläden, Geschenkartikel für Concept Stores und Geschenkartikel für Gartencenter.
Läden planen ihr Weihnachtssortiment Monate im Voraus. Wer erst im November anfragt, findet volle Regale. Sprich Händler für Advent und Weihnachten spätestens im Spätsommer an, mit fertigen Mustern und klaren Lieferterminen. Mehr dazu im Ratgeber Weihnachtsgeschäft planen.
Wie kommen planbar neue Händler auf deine Kerzen?
Messen und Märkte bringen Kontakte, aber selten regelmäßig. Dass es auch anders geht, zeigt ein Geschenkartikel-Hersteller aus dem LeadB2B-Kundenkreis: EZ Originalz, Hersteller leuchtender Untersetzer, bekam in der ersten Woche über 70 Händleranfragen und 6 Abschlüsse. Der Weg dahin war das HQL-Framework: Zuerst wird festgelegt, welche Geschenkeläden und Concept Stores passen, dann sprechen Kampagnen im Namen des Herstellers genau diese Läden an. Jede Anfrage wird geprüft und in der eigenen Kundenplattform bis zur Bestellung begleitet. Die ganze Geschichte steht im Erfolgsbericht EZ Originalz.