Wie bekomme ich mein Produkt in den Einzelhandel? Schritt für Schritt.

Tim VogelTim Vogel, Gründer LeadB2B·7 Min. Lesezeit·Vertrieb
15 Minuten · kostenfrei · unverbindlich
Kurz gesagt

Um dein Produkt in den Einzelhandel zu bringen, machst du es zuerst handelsreif (Barcode, Etikett, Verpackungseinheit, Preisliste), startest dann bei inhabergeführten Fachgeschäften wie Feinkostläden oder Hofläden und gehst erst mit Abverkaufsbelegen zu größeren Lebensmittelhändlern. Der Fachhandel ist der schnellere Einstieg, weil der Inhaber selbst entscheidet.

Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026

Was heißt handelsreif und warum scheitern viele genau hier?

Viele Produkte sind im eigenen Onlineshop oder auf dem Markt erfolgreich und trotzdem nicht bereit für ein Ladenregal. Der Händler braucht andere Dinge als dein Endkunde. Er will die Ware in einer festen Verpackungseinheit bestellen, an der Kasse scannen, sauber ins Regal stellen und mit einer klaren Marge verkaufen. Fehlt eines davon, wird aus einem interessierten Laden schnell ein „Melden Sie sich nächstes Jahr wieder“.

Handelsreife ist deshalb kein Formalkram, sondern die Eintrittskarte. Die folgende Tabelle zeigt, was ein Laden typischerweise erwartet und woran es in der Praxis oft hakt.

PunktWas der Händler erwartetTypischer Stolperstein
BarcodeEine GTIN pro Artikel, scanbar an der KasseNur ein interner Artikelcode oder gar keiner
EtikettVollständige Pflichtangaben, gut lesbarAngaben nur auf Englisch oder zu klein gedruckt
VerpackungseinheitFeste Verpackungseinheit, etwa 6 oder 12 Stück im KartonLose Einzelstücke, die im Versand brechen
HaltbarkeitGenug Restlaufzeit beim Eintreffen im LadenKurzes MHD, das im Regal abläuft
PreislisteHändlerpreis, UVP, Mindestbestellwert, LieferzeitNur Endkundenpreise aus dem Onlineshop
Bilder und TexteProduktfotos und Kurztext für Regal und Social MediaNur Handyfotos ohne freigestellten Hintergrund

Bei den Pflichtangaben auf dem Etikett gelten für Lebensmittel eigene Vorschriften. Lass dein Etikett im Zweifel von einer Fachstelle oder einem Anwalt prüfen, dieser Ratgeber ist keine Rechtsberatung.

Fachhandel oder Supermarkt: Wo fängst du an?

Der Weg ins Regal einer großen Lebensmittelkette ist für eine kleine Manufaktur lang. Zentrale Einkäufer prüfen Lieferfähigkeit, Logistik und Abverkaufschancen, und die Gespräche ziehen sich oft über Monate. Im inhabergeführten Fachhandel ist der Weg kürzer: Die Person hinter der Kasse ist oft die, die einkauft. Gefällt ihr dein Produkt und passen die Konditionen, steht es nächste Woche im Regal.

Für den Einstieg eignen sich vor allem Feinkostläden, Hofläden, Bioläden, Cafés mit Verkaufsregal und Geschenkeläden. Dort zählen Geschichte, Herkunft und Qualität mehr als der niedrigste Preis. Wenn du dort nachweisbar verkaufst, hast du später ein starkes Argument für den nächsten Schritt: die Listung bei selbstständigen Kaufleuten im Lebensmitteleinzelhandel.

In welcher Reihenfolge gehst du vor?

  1. Produkt auswählenStarte mit zwei bis vier Artikeln, nicht mit dem ganzen Sortiment. Nimm die Sorten, die im Direktverkauf am besten laufen und die im Laden gut aussehen.
  2. Handelsreife herstellenBarcode, Etikett, Verpackungseinheit und Haltbarkeit nach der Tabelle oben prüfen. Lieber zwei Wochen später starten als mit einem Etikett, das du nach den ersten Bestellungen ändern musst.
  3. Preise und Konditionen festlegenHändlerpreis, UVP und Mindestbestellwert so wählen, dass der Laden ordentlich verdient und du nicht draufzahlst. Hilfe dazu gibt der Ratgeber Händlerpreis kalkulieren.
  4. Unterlagen bauenEine einseitige Preisliste, ein kurzes Produktblatt mit Fotos und eine Bestellmöglichkeit, per Mail, Formular oder Händlerportal.
  5. Erste Läden ansprechenZehn bis zwanzig passende Läden in deiner Region auswählen und gezielt ansprechen, persönlich, telefonisch oder über eine Kampagne. Jeder Laden bekommt ein konkretes Einstiegsangebot.
  6. Abverkauf begleitenNach der Lieferung nachfragen, wie es läuft, Platzierung verbessern und die Nachbestellung anstoßen. Jeder Laden, der nachbestellt, wird zur Referenz.
  7. AusrollenErst wenn die ersten Läden nachbestellen, weitere Regionen und Ladentypen erschließen.

Was prüft ein Ladeninhaber, bevor er Ja sagt?

Ein Inhaber stellt sich bei jeder neuen Marke ähnliche Fragen: Passt das zu meiner Kundschaft? Habe ich Platz dafür? Verdiene ich genug? Was passiert, wenn es nicht läuft? Und kann ich mich auf den Lieferanten verlassen? Je besser du diese Fragen beantwortest, bevor sie gestellt werden, desto kürzer wird das Gespräch. Eine ausführliche Liste findest du im Ratgeber Was Händler bei neuen Marken prüfen.

Ein Beispiel: Eine Senfmanufaktur bietet einem Feinkostladen drei Sorten an. Der Inhaber mag den Geschmack, fragt aber sofort: „Wie viele muss ich nehmen, und was mache ich, wenn die scharfe Sorte liegen bleibt?“ Wer dann eine gemischte Kiste mit zwölf Gläsern und das Angebot hat, eine Sorte bei der Nachbestellung zu tauschen, hat die Bestellung fast sicher.

Wie präsentierst du dein Produkt im Erstgespräch?

Zeig im Gespräch nicht deine Produktionsanlage, sondern das Produkt im Laden. Ein Foto deines Glases in einem ähnlichen Regal überzeugt mehr als zehn Sätze über Rohstoffe. Nenne den Händlerpreis, die UVP und die daraus folgende Marge pro Stück. Erzähl die Geschichte kurz, so, wie der Inhaber sie an seine Kundschaft weitergeben kann: „Kommt von einem Familienbetrieb zwei Dörfer weiter, Äpfel von eigenen Streuobstwiesen.“

Praxistipp

Bring zum Erstgespräch immer ein offenes Produkt zum Probieren mit oder schick es vorab. Ein Inhaber, der deinen Saft probiert hat, redet über Mengen. Einer, der ihn nur auf dem Foto gesehen hat, redet über Bedenken.

Was bleibt für den Laden übrig? Eine Beispielrechnung

Händler entscheiden über Zahlen. Wenn du ihnen die Rechnung abnimmst, sparst du beiden Zeit. Rechne die Marge pro Stück und pro Karton vor, nicht nur den Einkaufspreis.

Beispielrechnung, angenommene Werte: Ein Glas Fruchtaufstrich hat eine UVP von 5,90 Euro inklusive 7 % Umsatzsteuer, also rund 5,51 Euro netto. Der Händlerpreis liegt bei 3,30 Euro netto. Pro Glas bleiben dem Laden rund 2,21 Euro, das entspricht einer Handelsspanne von etwa 40 %. Bei einem Karton mit 12 Gläsern sind das gut 26 Euro Rohertrag für den Laden, bei einem Wareneinsatz von 39,60 Euro.

Mit so einer Rechnung im Angebot muss der Inhaber nicht selbst rechnen und sieht sofort, ob dein Produkt in seine Kalkulation passt. Wie du die Spanne sauber berechnest und welche Fehler bei Brutto und Netto passieren, zeigt der Ratgeber Handelsspanne berechnen. Den genauen Umsatzsteuersatz für dein Produkt klärst du im Zweifel mit deinem Steuerberater.

Wie sprichst du die ersten Läden an?

Für die ersten zehn Läden funktioniert der persönliche Weg oft gut: vorbeigehen, sich kurz vorstellen, eine Probe dalassen und einen Termin für den Rückruf vereinbaren. Wähle dafür eine ruhige Zeit, zum Beispiel vormittags unter der Woche, und nicht den Samstag, an dem der Laden voll ist. Frag nach dem Inhaber oder der Person, die das Sortiment verantwortet, und halte dich kurz.

Ab einer gewissen Zahl wird der persönliche Besuch zu teuer. Dann brauchst du einen Weg, über den Läden von sich aus anfragen: eine Seite für Händler auf deiner Website, ein Händlerformular, Kampagnen, die Ladeninhaber gezielt erreichen. Der Vorteil: Wer selbst anfragt, hat bereits Interesse, und dein Gespräch beginnt eine Stufe weiter.

Welche Fehler kosten beim Einstieg am meisten Zeit?

  • Zu viele Artikel auf einmal: Der Laden ist überfordert und bestellt am Ende gar nichts. Lieber eine klare Auswahl.
  • Händlerpreis zu nah am Endkundenpreis: Wenn der Laden kaum verdient, gibt er dir zwar eine Chance, bestellt aber nicht nach.
  • Keine feste Bestellroutine: Bestellungen per WhatsApp, Zuruf und Mail durcheinander führen zu Fehlern bei Menge und Rechnung.
  • Onlinepreis unter UVP: Wenn dein eigener Shop günstiger ist als der Laden, fühlt sich der Händler zu Recht ausgenutzt.
  • Keine Nachbetreuung: Die Ware steht im Lager statt im Regal, und niemand merkt es.

Wann bist du bereit für größere Händler?

Ein guter Zeitpunkt ist, wenn du bei einer zweistelligen Zahl von Fachgeschäften regelmäßige Nachbestellungen hast, deine Lieferfähigkeit auch bei doppelter Menge gesichert ist und deine Logistik palettenweise liefern kann. Dann kannst du einem Lebensmittelhändler zeigen, dass dein Produkt nicht nur schön aussieht, sondern sich dreht. Für Getränke, Snacks oder Eis lohnt sich zusätzlich ein Blick auf Lebensmittelhändler mit eigener Regionalecke, weil diese oft schneller entscheiden als Zentralen.

Bis dahin gilt: Lieber 40 Läden, die verlässlich nachbestellen, als 200, die einmal probiert haben. LeadB2B unterstützt Hersteller genau in dieser Phase dabei, aus einem Produkt mit guten Rückmeldungen einen stetigen Strom passender Händleranfragen zu machen.

FAQ

Fragen zum Thema. Kurz beantwortet.

Was brauche ich, um mein Produkt im Einzelhandel zu verkaufen?

Du brauchst ein handelsreifes Produkt mit Barcode, vollständigem Etikett und fester Verpackungseinheit sowie eine Preisliste mit Händlerpreis, UVP und Mindestbestellwert. Dazu kommen ein kurzes Produktblatt mit Fotos und eine klare Bestellmöglichkeit.

Brauche ich für den Einzelhandel zwingend einen Barcode?

Für die meisten Läden ja, denn sie scannen an der Kasse und führen ihren Bestand im Warenwirtschaftssystem. Manche Hofläden oder Wochenmarktstände kommen ohne aus, für den Schritt in größere Geschäfte ist eine GTIN aber Pflicht.

Soll ich zuerst in den Supermarkt oder in den Fachhandel?

Für kleine Hersteller ist der Fachhandel fast immer der bessere Einstieg. Der Inhaber entscheidet selbst, die Mengen sind klein und du sammelst Abverkaufserfahrung. Mit diesen Belegen gehst du danach zu größeren Lebensmittelhändlern.

Wie viele Produkte sollte ich dem Handel anbieten?

Für den Start reichen zwei bis vier Artikel. Eine kleine, klare Auswahl macht die Entscheidung für den Laden leicht. Weitere Sorten kannst du nachschieben, sobald die ersten gut laufen.

Wie lange dauert es, bis mein Produkt im Laden steht?

Im inhabergeführten Fachhandel kann es nach einem guten Gespräch innerhalb weniger Tage im Regal stehen. Bei größeren Lebensmittelhändlern mit zentralem Einkauf dauert es meist Monate.

Hol dir die Händler, bevor es dein Wettbewerber tut.

Die Zahl passender Handelspartner in deiner Branche ist begrenzt. Im Potenzialgespräch zeigen wir dir, wie viele davon für dein Produkt erreichbar sind.

15 Minuten · kostenfrei · unverbindlich