Was kostet eine Vertriebsagentur? Die Preismodelle im Vergleich.

Tim VogelTim Vogel, Gründer LeadB2B·7 Min. Lesezeit·Vertrieb
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Kurz gesagt

Einen Marktpreis für Vertriebsagenturen gibt es nicht. Üblich sind vier Modelle: monatliches Fixum, Tagessatz, Preis pro Termin und Provision, oft kombiniert. Seriös vergleichen kannst du nur eine Größe: Gesamtkosten geteilt durch die Zahl der Händler, die wirklich bestellen und nachbestellen.

Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026

Was kostet eine Händlerakquise-Agentur?

Wer einen Dienstleister für Händlerakquise sucht und nach dem Preis fragt, findet schnell Zahlen. Die meisten stammen von Anbietern selbst oder sind nicht nachprüfbar. Eine unabhängige Marktübersicht für Deutschland haben wir nicht gefunden. Deshalb stehen in diesem Ratgeber keine Euro-Beträge für Agenturen. Was du bekommst, ist die Logik der Preismodelle und eine Rechnung, mit der du jedes Angebot selbst prüfen kannst.

Eine Vertriebsagentur geht in deinem Auftrag raus: Sie ruft an, schreibt oder besucht Händler und versucht, Gespräche und Abschlüsse zu erzielen. Bezahlt wird dafür je nach Vertrag sehr unterschiedlich. Wer welches Risiko trägt, ist dabei wichtiger als die Höhe der Rechnung.

Das gilt auch für andere Dienstleister in der Wiederverkäufergewinnung: Wer dir Läden als Wiederverkäufer bringen soll, rechnet nach denselben Modellen ab. Welche Arten von Anbietern es gibt, erklärt der Ratgeber Dienstleister für B2B-Händlergewinnung.

Die vier Preismodelle im Überblick

ModellWas du bezahlstWer das Risiko trägtPasst, wenn
Monatliches FixumFesten Betrag pro Monat, oft mit MindestlaufzeitVor allem duDu ein klares Paket willst und Zeit für den Aufbau einplanst
TagessatzEingesetzte ArbeitstageVor allem duEs um ein begrenztes Projekt geht, etwa eine Testphase oder Listungsgespräche
Preis pro TerminJedes vereinbarte GesprächGeteiltDu Abschlüsse selbst führen kannst und die Terminqualität sauber definiert ist
ProvisionAnteil am vermittelten UmsatzVor allem die AgenturDein Produkt sich leicht verkauft und die Rechnung über Nachbestellungen geklärt ist

In der Praxis sind Mischformen häufig: ein niedrigeres Fixum plus Provision oder ein Aufbaubetrag plus Preis pro Termin. Je höher der erfolgsabhängige Teil, desto genauer solltest du klären, was als Erfolg zählt.

Monatliches Fixum: planbar, aber ohne Erfolgsgarantie

Beim Fixum kennst du deine Kosten im Voraus. Du bezahlst aber Leistung, nicht Ergebnis. Achte auf drei Dinge: Wie viele Personen arbeiten wirklich für dich? Wie viele andere Marken betreuen sie gleichzeitig? Und wie lange läuft der Vertrag, bevor du aussteigen kannst? Eine lange Mindestlaufzeit ohne Zwischenziel ist für einen Test ungeeignet.

Tagessatz: gut für klar begrenzte Aufgaben

Der Tagessatz passt, wenn du eine Aufgabe genau beschreiben kannst, zum Beispiel Gespräche mit regionalen Einkäufern oder den Aufbau einer Vertriebsstruktur. Für laufende Händlerakquise ist er weniger geeignet, weil du für Zeit bezahlst und selbst steuern musst, was in dieser Zeit passiert. Lass dir vorab schreiben, welches Ergebnis nach welcher Zahl von Tagen vorliegen soll.

Preis pro Termin: Ein Termin ist noch kein Händler

Das Modell klingt fair, weil du nur für ein Ergebnis zahlst. Die Frage ist nur, für welches. Ein Termin mit einem Ladeninhaber, der kein Budget hat oder dein Sortiment gar nicht führen kann, kostet dich zweimal: das Geld und deine Zeit. Definiere deshalb im Vertrag, was ein gültiger Termin ist.

  • Welcher Ladentyp zählt, welche Region, welche Mindestgröße?
  • Ist der Entscheider dabei oder nur eine Aushilfe?
  • Wurde dein Produkt vorher genannt, oder ist der Termin eine Überraschung?
  • Was passiert, wenn ein Termin ausfällt oder der Kontakt nicht passt?

Provision: Erfolgsabhängig, aber rechtlich zu prüfen

Bei einer reinen Provision zahlst du nur auf Umsatz. Für eine Agentur ist das nur attraktiv, wenn dein Produkt sich gut verkauft und die Bestellwerte stimmen. Kläre, ob die Provision nur auf die Erstbestellung läuft oder auch auf Nachbestellungen. Gerade bei Konsumgütern zum Nachkaufen macht das über die Jahre einen großen Unterschied.

Dazu kommt ein rechtlicher Punkt. Wer ständig damit betraut ist, Geschäfte für dich zu vermitteln oder abzuschließen, kann rechtlich Handelsvertreter sein, auch wenn er sich Agentur oder Vertriebsberater nennt. Die IHK weist darauf hin, dass es nicht auf die Bezeichnung ankommt, sondern auf das Gesamtbild. Dann können zwingende Regeln des Handelsgesetzbuchs gelten, etwa zu Kündigungsfristen (§ 89 HGB) und zum Ausgleichsanspruch nach Vertragsende (§ 89b HGB). Dieser beträgt höchstens eine Jahresprovision, berechnet nach dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, und kann nicht im Voraus ausgeschlossen werden. Das ist keine Rechtsberatung. Lass den Vertrag vor der Unterschrift von einem Anwalt prüfen.

Welche Leistungen stecken im Preis?

Zwei Angebote mit gleichem Preis können sehr verschieden sein. Frag deshalb nach dem Umfang, nicht nur nach dem Betrag. Diese Liste hilft beim Vergleich:

LeistungWorauf du achten solltest
Recherche der ZielhändlerWoher kommen die Kontakte, und passen sie zu deinem Händlertyp?
ErstanspracheWelcher Kanal, wie oft, und ist er für dieses Vorgehen zulässig?
Prüfung der KontakteNach welchen Kriterien wird gefiltert, bevor du Zeit investierst?
GesprächsführungFührt die Agentur das Verkaufsgespräch, oder macht sie nur Termine?
Angebot und NachfassenWer kümmert sich nach dem ersten Gespräch um die Bestellung?
BerichtBekommst du Zahlen pro Region und Händlertyp oder nur eine Summe?

Rechnet sich eine Vertriebsagentur für kleine Hersteller?

Das entscheidet sich an zwei Zahlen: dem Wert einer durchschnittlichen Bestellung und der Häufigkeit der Nachbestellung. Bei wenigen großen Kunden kann ein einzelner Abschluss die Kosten eines ganzen Quartals tragen. Bei einem Hofladen, der ein paar Kartons im Monat abnimmt, braucht es viele Abschlüsse, bis eine Agentur bezahlt ist.

Rechne deshalb vorher aus, wie viele Händler du im Testzeitraum brauchst, damit sich die Sache trägt. Ist diese Zahl unrealistisch hoch, liegt das nicht an der Agentur, sondern am Modell. Dann ist ein Weg mit geringeren Kosten pro Kontakt der bessere.

Was du in jedes Angebot hineinrechnen musst

Die Rechnung der Agentur ist nur ein Teil. Für einen ehrlichen Vergleich zählst du alle Posten zusammen.

  • Laufende Vergütung und einmalige Aufbaukosten
  • Muster und Versand für die angesprochenen Läden
  • Deine eigene Zeit für Briefing, Abstimmung und Abschlussgespräche
  • Provision oder Prämien auf Erstbestellung und Nachbestellungen
  • Kosten für Software oder Listen, falls sie extra berechnet werden

Die Formel für jeden Vergleich

Gesamtkosten im Testzeitraum geteilt durch die Zahl neuer Händler mit Erstbestellung ergibt deine Kosten pro Händler. Stell diesen Wert dem Kundenwert gegenüber, also dem, was ein Händler dir über die Zeit einbringt. Den rechnest du mit dem Kundenwert-Rechner. Erst dieser Vergleich zeigt, ob ein Modell für dich aufgeht, egal wie der Preis auf dem Angebot aussieht.

Acht Fragen an jede Vertriebsagentur

  1. Wer genau arbeitet für uns, und für wie viele andere Marken gleichzeitig?
  2. Welche Händlertypen habt ihr bereits angesprochen? Zeigt uns Beispiele.
  3. Wie sprecht ihr Händler an, und wie stellt ihr sicher, dass das rechtlich zulässig ist?
  4. Wie wird eine Anfrage geprüft, bevor sie bei uns landet?
  5. Wem gehören die Kontakte und Gesprächsnotizen, auch nach Vertragsende?
  6. Welchen Bericht bekommen wir, und wie oft?
  7. Wie läuft die Mindestlaufzeit, und gibt es ein Zwischenziel mit Ausstieg?
  8. Wie wird die Vergütung bei Nachbestellungen geregelt?
Mit einem Test starten

Vereinbare eine begrenzte Region, einen Händlertyp und ein Zwischenziel in Bestellungen statt in Kontakten. Nach drei Monaten weißt du mehr als aus jedem Verkaufsgespräch.

Woran erkennst du schwache Angebote?

  • Garantierte Abschlüsse ohne Kenntnis deines Produkts: Wer vor dem ersten Gespräch Zahlen verspricht, kennt deine Spanne nicht.
  • Nur Aktivitätszahlen: Anrufe und versendete Nachrichten sagen nichts über Bestellungen.
  • Unklare Ansprache: Wenn niemand erklären kann, wie Händler kontaktiert werden, trägst du das Risiko für deine Marke.
  • Keine Beispiele: Eine Agentur ohne Erfahrung mit Läden muss erst lernen, wie Inhaber kaufen.

Vertriebsagentur oder Händlergewinnungs-System?

Eine Vertriebsagentur geht für dich raus. Bei einem Händlergewinnungs-System melden sich passende Händler selbst und werden vorab geprüft. Beides kann richtig sein. Die Agentur ist stark, wenn du schnell in bestimmte Strukturen willst oder Listungsgespräche brauchst. Das System ist stark, wenn du laufend kleinere Läden gewinnen willst und die Kundenbeziehung bei dir bleiben soll.

Eine ehrliche Gegenüberstellung findest du unter Vertriebsagentur oder HQL-Framework. LeadB2B arbeitet nach diesem HQL-Framework für deutsche Hersteller von Konsumgütern zum Nachkaufen. Für welche Hersteller das nicht passt, klären wir offen: Alkohol, Kosmetik und Reinigung, Nahrungsergänzung, Konzerne, Händler und Mühlen gehören nicht dazu.

FAQ

Fragen zum Thema. Kurz beantwortet.

Was kostet eine Händlerakquise-Agentur?

Einen festen Marktpreis gibt es nicht, und unabhängige Zahlen für Deutschland haben wir nicht gefunden. Agenturen rechnen meist über Fixum, Tagessatz, Preis pro Termin oder Provision ab. Vergleiche die Gesamtkosten pro gewonnenem Händler.

Was kostet ein Dienstleister für Wiederverkäufergewinnung?

Auch hier gibt es keinen festen Marktpreis. Die Abrechnung läuft meist über dieselben Modelle wie bei der Händlerakquise: Fixum, Tagessatz, pro Termin oder Provision. Vergleiche die Gesamtkosten pro Wiederverkäufer, der bestellt.

Was ist besser: Fixum oder Provision?

Das hängt davon ab, wer das Risiko tragen soll. Beim Fixum trägst du es, bei reiner Provision die Agentur. Provision passt zu Produkten, die sich leicht verkaufen. Prüfe dann auch die rechtlichen Folgen, weil die Agentur als Handelsvertreter gelten kann.

Lohnt sich die Bezahlung pro Termin?

Das kann sich lohnen, wenn du selbst gut abschließt und vertraglich festlegst, was ein gültiger Termin ist. Ohne diese Definition zahlst du für Gespräche, aus denen nie eine Bestellung wird.

Kann eine Vertriebsagentur einen Ausgleichsanspruch haben?

Ja, das ist möglich, wenn sie rechtlich als Handelsvertreter einzuordnen ist. Entscheidend ist laut IHK das Gesamtbild, nicht die Bezeichnung. Lass den Vertrag von einem Anwalt prüfen.

Wie vergleiche ich Angebote von Vertriebsagenturen?

Rechne alle Kosten im Testzeitraum zusammen, also Vergütung, Muster, eigene Zeit und Provision, und teile sie durch die Zahl neuer Händler mit Erstbestellung. Diesen Wert stellst du dem Kundenwert gegenüber.

Hol dir die Händler, bevor es dein Wettbewerber tut.

Die Zahl passender Handelspartner in deiner Branche ist begrenzt. Im Potenzialgespräch zeigen wir dir, wie viele davon für dein Produkt erreichbar sind.

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