Ein gutes B2B-Angebot an einen Händler ist kurz, auf seinen Laden zugeschnitten und nennt alles, was er für die Bestellentscheidung braucht: Einstiegssortiment, Händlerpreise, empfohlene Verkaufspreise, Mindestbestellwert, Lieferzeit und Zahlungsbedingungen. Es endet mit einem klaren nächsten Schritt, zum Beispiel einer bestätigbaren Erstbestellung.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
Was ist der Unterschied zwischen Preisliste und Angebot?
Viele Hersteller schicken auf eine Händleranfrage einfach die komplette Preisliste als PDF. Das ist bequem, aber selten wirksam. Eine Preisliste zeigt alles, was du hast. Ein Angebot zeigt, was dieser eine Laden bei dir bestellen sollte. Die Inhaberin eines Hofladens mit 40 Quadratmetern will nicht 60 Artikel durchgehen. Sie will wissen, welche 6 davon bei ihr funktionieren und was sie das kostet.
Das Angebot ist deshalb deine Empfehlung als Fachmann. Du hast dir den Laden angesehen, du kennst deine Bestseller, und du schlägst eine Auswahl vor, die zu Kundschaft, Regalplatz und Budget passt. Damit nimmst du dem Händler Arbeit ab, und genau das macht die Bestellung leichter.
Welche Angaben gehören in ein Angebot an Wiederverkäufer?
| Baustein | Inhalt | Warum wichtig |
|---|---|---|
| Persönlicher Einstieg | Bezug auf Anfrage oder Gespräch, Name des Ladens | Zeigt, dass es kein Massenschreiben ist |
| Einstiegssortiment | 4 bis 8 Artikel mit Begründung | Nimmt die Auswahl ab |
| Händlerpreis netto | Je Artikel und je Verpackungseinheit | Grundlage für die Kalkulation |
| UVP | Empfohlener Verkaufspreis brutto | Zeigt die Marge des Händlers |
| Mindestbestellwert | Betrag für Erst- und Nachbestellung | Vermeidet Rückfragen |
| Lieferzeit und Versand | Tage bis Lieferung, Frachtfreigrenze | Planungssicherheit |
| Zahlungsbedingungen | Zahlungsziel, Skonto, Vorkasse bei Erstbestellung | Klarheit über Liquidität |
| Gültigkeit und nächster Schritt | Angebot gültig bis, so bestellst du | Erzeugt einen Abschluss |
Wenn du Begriffe wie Mindestbestellwert oder Frachtfreigrenze verwendest, erkläre sie im Angebot nicht lang. Händler kennen sie. Schreib einfach die Zahl hin: „Mindestbestellwert 200 Euro netto, ab 350 Euro liefern wir frei Haus.“
So baust du das Angebot Schritt für Schritt auf
- Laden verstehenLies die Anfrage noch einmal und sieh dir den Laden online an. Welche Produkte führt er schon, welche Preislage, welche Kundschaft? Ein Café braucht andere Gebindegrößen als ein Feinkostladen.
- Einstiegssortiment wählenNimm deine 2 bis 3 Bestseller plus 2 bis 3 Artikel, die eine Lücke im Sortiment des Ladens füllen. Lass Nischenprodukte weg, die kommen bei der Nachbestellung.
- Mengen vorschlagenSchlage konkrete Stückzahlen vor, etwa 1 Karton je Sorte. Händler bestellen lieber eine Menge, die jemand für sie durchdacht hat, als selbst zu raten.
- Rechnung des Händlers zeigenStell Einkaufspreis, UVP und Rohertrag nebeneinander. So sieht der Händler in einer Zeile, was er an deinem Produkt verdient.
- Konditionen klar nennenMindestbestellwert, Lieferzeit, Versandkosten, Zahlungsziel. Kein Kleingedrucktes, keine Überraschungen bei der Rechnung.
- Abschluss einbauenSchreib, was der Händler tun muss: „Antworten Sie mit OK, dann geht die Ware am Montag raus.“ Oder: Bestellung über das Händlerportal mit einem Klick.
Beispiel: Angebot an einen Feinkostladen
Beispielrechnung, angenommene Werte: Eine Senfmanufaktur bekommt eine Anfrage von einem Feinkostladen in einer Altstadtlage. Der Laden führt bereits Öle, Essige und Pasta, aber keinen Senf aus der Region. Das Angebot schlägt 4 Sorten vor, je 1 Karton mit 12 Gläsern.
| Artikel | Menge | Händlerpreis netto | UVP brutto | Summe netto |
|---|---|---|---|---|
| Senf mittelscharf 180 g | 12 | 2,40 Euro | 4,90 Euro | 28,80 Euro |
| Honig-Senf 180 g | 12 | 2,60 Euro | 5,30 Euro | 31,20 Euro |
| Feigen-Senf 180 g | 12 | 2,90 Euro | 5,90 Euro | 34,80 Euro |
| Geschenkset 3 Gläser | 6 | 8,50 Euro | 16,90 Euro | 51,00 Euro |
| Gesamt | 42 | 145,80 Euro |
Bei einem Mindestbestellwert von 150 Euro fehlen hier wenige Euro. Statt das Angebot so zu verschicken, ergänzt der Hersteller ein kleines Thekendisplay mit Probiergläsern. Damit ist der Mindestbestellwert erreicht, und der Händler hat gleich ein Verkaufsargument im Laden. Wie du solche Schwellen sinnvoll setzt, steht im Ratgeber Mindestbestellwert festlegen.
Wie formulierst du das Anschreiben?
Halte den Text kurz. Drei bis fünf Sätze reichen vor der Tabelle. Beispiel: „Danke für Ihre Anfrage zu unseren Senfsorten. Ich habe mir Ihren Laden angesehen und vier Sorten ausgewählt, die gut zu Ihrem Öl- und Essigregal passen. Der Feigen-Senf läuft in Feinkostläden besonders zur Käsetheke. Die Ware kann am Montag raus, wenn Sie bis Freitag bestätigen.“
Schreib so, wie du am Telefon sprechen würdest. Keine Floskeln wie „Wir freuen uns sehr über Ihr geschätztes Interesse“. Händler lesen solche Sätze nicht. Sie springen direkt zu den Zahlen.
Ob du den Händler duzt oder siezt, hängt von der Anfrage ab. Hat er dich geduzt oder ist der Ton auf seinem Instagram-Kanal locker, kannst du mitgehen. Im Zweifel bleibst du beim Sie. Ein Foto vom Produkt im Regal eines anderen Ladens wirkt oft stärker als jeder Satz, weil der Händler sofort sieht, wie es bei ihm aussehen könnte.
Gib dem Händler genau eine Handlung vor. Wer zwischen „Muster anfordern“, „Katalog ansehen“, „Termin vereinbaren“ und „direkt bestellen“ wählen soll, tut oft gar nichts. Wenn er schon Muster hatte, ist der nächste Schritt die Bestellung.
Geht es um den allerersten Kontakt, gelten eigene Regeln. Was erlaubt ist und vier Vorlagen findest du im Ratgeber Erstkontakt-Mail an Händler und Vertriebspartner.
Wie unterscheiden sich Angebote je nach Händlertyp?
Ein Angebot an ein Café sieht anders aus als eines an einen Geschenkeladen, auch wenn das Produkt dasselbe ist. Das Café denkt in Portionen und Wareneinsatz pro Tasse oder Teller. Der Geschenkeladen denkt in Verpackung, Preisschwelle und Saison. Der Hofladen denkt in Regionalität und darin, was seine Stammkunden jede Woche mitnehmen.
| Händlertyp | Was ins Angebot gehört | Was weglassen |
|---|---|---|
| Cafés | Gastro-Gebinde, Preis je Portion, Vorschlag für die Theke zum Mitnehmen | Große Geschenksets |
| Geschenkeläden | Sets, Geschenkverpackung, Preise unter typischen Schwellen wie 20 oder 30 Euro | Großgebinde |
| Hofläden | Regionale Herkunft, Kartonmengen, Saisonsorten | Exotische Sorten ohne Bezug zur Region |
| Feinkostläden | Besondere Sorten, Geschichte zur Herstellung, Kombination mit vorhandenem Sortiment | Billigste Standardsorte |
Wenn du für jeden Händlertyp eine Angebotsvorlage anlegst, sparst du viel Zeit. Du passt dann nur noch Name, Bezug und zwei bis drei Artikel an. Das Angebot wirkt trotzdem persönlich, weil es auf den Ladentyp zugeschnitten ist.
Ein Café braucht außerdem oft eine kleine Rechenhilfe. Wenn du Kaffeebohnen anbietest, rechne vor, was eine Tasse im Wareneinsatz kostet. Wenn du Kuchen oder Kekse anbietest, zeig den Preis je Stück neben einem typischen Verkaufspreis an der Theke. So beantwortest du die wichtigste Frage des Inhabers, bevor er sie stellt.
Die häufigsten Fehler in B2B-Angeboten
- Zu viel Auswahl: 40 Artikel im Angebot überfordern. Lieber 6, die sicher laufen.
- Nur Bruttopreise: Händler rechnen netto. Gib Nettopreise an und kennzeichne die UVP als brutto.
- Fehlende Verpackungseinheit: Wenn nicht klar ist, ob ein Karton 6 oder 12 Gläser hat, kommt eine Rückfrage statt einer Bestellung.
- Kein Gültigkeitsdatum: Ohne Frist bleibt das Angebot liegen. 14 Tage sind ein guter Richtwert.
- Zu späte Antwort: Ein perfektes Angebot nach einer Woche verliert gegen ein gutes Angebot am selben Tag.
- Kein Nachfassen: Ein Angebot ohne Rückruf ist ein halbes Angebot.
Wie fasst du nach, ohne zu drängen?
Plane das Nachfassen fest ein, bevor du das Angebot verschickst. Ein bewährter Rhythmus: Anruf am zweiten Werktag mit der Frage, ob alles angekommen ist und ob Fragen offen sind. Nach einer Woche eine kurze Mail mit einem neuen Argument, zum Beispiel einem Foto, wie ein anderer Laden das Produkt präsentiert. Danach ein letzter Anruf vor Ablauf der Gültigkeit.
Bei LeadB2B ist das Nachfassen Teil des dritten Schritts im HQL-Framework: Geprüfte Anfragen landen in der Kundenplattform des Herstellers, bekommen ein individuelles Angebot und werden bis zur Bestellung begleitet, inklusive Erinnerungen. So rutscht kein Angebot durch, weil im Tagesgeschäft keiner daran gedacht hat.
Checkliste vor dem Versand
- Name des Ladens und Ansprechpartner richtig geschrieben
- Einstiegssortiment mit 4 bis 8 Artikeln und kurzer Begründung
- Nettopreise, Verpackungseinheit und UVP je Artikel
- Mindestbestellwert erreicht oder Vorschlag zum Auffüllen
- Lieferzeit, Versandkosten und Frachtfreigrenze
- Zahlungsziel und eventuell Skonto
- Gültigkeitsdatum und ein klarer nächster Schritt
- Rückruftermin im Kalender eingetragen
