Unverpacktläden kaufen lose Ware in Großgebinden oder Mehrwegbehältern und füllen sie im Laden in Spender und Gläser um. Sie entscheiden nach Verpackungskonzept, Rieselfähigkeit, Haltbarkeit und Preis pro Kilo. Wer ihnen ein Gebinde ohne Einwegmüll anbieten kann, hat einen klaren Vorteil.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
So tickt ein Unverpacktladen
Meist kleine inhabergeführte Läden in Städten, oft mit Café-Ecke oder Workshops. Einige gehören zu kleinen regionalen Verbünden.
Trockenware aus Spendern (Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Müsli, Nüsse, Gewürze, Tee, Kaffee), Öle und Essig zum Abfüllen, Reinigungsmittel, dazu oft Frischeprodukte und Mehrweggläser mit Pfand.
Über Bio-Großhändler mit Großgebinden, direkt bei Herstellern und Mühlen, teils über Einkaufsgemeinschaften. Pfand- und Mehrweglösungen mit Herstellern sind beliebt.
Die Inhaberin oder der Inhaber, häufig Quereinsteiger mit starkem Werteprofil. Entscheidungen fallen persönlich und oft nach einem ausführlichen Gespräch.
Was Unverpacktläden bei neuen Marken suchen
- Großgebinde in Mehrweg- oder Pfandbehältern statt Einwegfolie
- Produkte, die gut rieseln und sich in Spendern sauber abfüllen lassen
- Einen fairen Preis pro Kilo, der neben verpackter Ware besteht
- Vollständige Angaben zu Zutaten und Allergenen für die Kennzeichnung am Spender
- Einen Hersteller mit glaubwürdiger Haltung zu Verpackung und Herkunft
So gewinnst du Unverpacktläden als Händler
- Ein Mehrweggebinde entwickelnBiete deine Ware in einem Eimer, Sack oder Kanister an, den du zurücknimmst. Ein Pfandsystem für das Gebinde ist für Unverpacktläden oft wichtiger als ein Rabatt.
- Den Kilopreis klar rechnenUnverpacktläden kalkulieren pro Kilo oder Liter. Stell deine Preisliste darauf um, statt Stückpreise umrechnen zu lassen. Wie du Händlerpreise sauber herleitest, zeigt der Ratgeber Händlerpreis kalkulieren.
- Die Kennzeichnung mitliefernAm Spender müssen Bezeichnung, Zutaten und Allergene stehen. Liefere ein fertiges Spenderetikett mit, dann spart der Laden Arbeit und vermeidet Fehler. Welche Pflichtangaben gelten, klärst du im Zweifel mit einem Anwalt, das hier ist keine Rechtsberatung.
- Abholung und Touren kombinierenWenn dein Betrieb in der Nähe liegt, biete Abholung oder eine Tour mit Leergutrücknahme an. Das spart Versandverpackung, also genau das, was der Laden vermeiden will.
Typische Fehler von Herstellern
- Großgebinde in Plastikfolie einschweißen und damit das Konzept des Ladens unterlaufen
- Nur Stückpreise nennen, sodass der Laden selbst auf Kilopreise umrechnen muss
- Produkte anbieten, die im Spender verklumpen, brechen oder schnell Feuchtigkeit ziehen
Wie funktioniert der Einkauf im Unverpacktladen?
Ein Unverpacktladen hat zwei Probleme, die normale Läden nicht kennen: Er muss Ware so einkaufen, dass möglichst kein Verpackungsmüll entsteht, und er muss sie so lagern, dass sie im Spender frisch bleibt. Deshalb kommen viele Produkte in großen Säcken, Eimern oder Kanistern, oft mit Pfand. Der Bio-Großhandel liefert einen Teil davon, aber gerade bei Spezialitäten bestellen die Läden direkt.
Weil die Mengen pro Laden überschaubar sind, haben viele Unverpacktläden enge Beziehungen zu ihren Lieferanten. Sie besuchen Mühlen, Röstereien und Ölmühlen, fragen nach Verarbeitung und Herkunft und erzählen das an der Theke weiter.
Welche Produkte passen in den Spender?
| Passt gut | Passt schwierig |
|---|---|
| Nudeln, Reis, Linsen, Haferflocken | Empfindliches Gebäck, das im Spender bricht |
| Ganze Gewürze und grobe Gewürzmischungen | Feine Pulver, die stark stauben oder verklumpen |
| Öle und Essige im Kanister | Kühlpflichtige Feinkost ohne Theke |
| Loser Tee und ganze Kaffeebohnen | Produkte mit kurzer Haltbarkeit nach dem Öffnen |
Welche Mengen sind realistisch?
Typisch sind Gebinde von einigen Kilo pro Sorte, abhängig vom Spender. Ein Laden füllt seinen Spender nach, wenn er leer wird, und bestellt in kurzen Abständen. Beispielrechnung, angenommene Werte: Ein Unverpacktladen verkauft pro Woche 4 Kilo deiner Nudeln. Mit einem 10-Kilo-Gebinde kommt er rund zweieinhalb Wochen aus. Über ein Jahr sind das gut 20 Gebinde aus einem einzigen Laden, plus Pfandrückläufe, die du in deine Tourenplanung einbauen solltest.
Kläre vor der ersten Anfrage, in welchem Gebinde du lieferst und wie es zurückkommt. Unverpacktläden fragen das im ersten Satz. Wer dann erst überlegen muss, wirkt unvorbereitet.
Worauf solltest du bei der Ansprache achten?
Unverpacktläden sind oft knapp kalkuliert und stark wertegetrieben. Ein hartes Verkaufsgespräch passt nicht. Erzähl, wie du Verpackung reduzierst, woher deine Rohstoffe kommen und wie die Ware im Spender frisch bleibt. Biete eine kleine Testmenge an, damit der Laden prüfen kann, wie sich dein Produkt im Spender verhält.
Weil viele Unverpacktläden nur über Social Media und lokale Netzwerke sichtbar sind, erreichst du sie mit Adresslisten schlecht. Kampagnen, die gezielt Läden mit diesem Konzept ansprechen, wie LeadB2B sie im Namen des Herstellers schaltet, bringen Anfragen von Läden, die dein Gebinde wirklich nutzen können.