Ja, du darfst Lebensmittel online verkaufen, wenn du als Lebensmittelunternehmer registriert bist, ein Gewerbe angemeldet hast und die Regeln für Lebensmittel und für den Fernabsatz einhältst. Wichtig ist vor allem, dass Pflichtangaben wie Zutaten und Allergene schon im Shop vor dem Kauf sichtbar sind, dass die Ware sicher und richtig temperiert ankommt und dass Impressum, Widerrufsbelehrung und Preisangaben stimmen.
Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026
Darf man Lebensmittel online verkaufen?
Ja. Für den Online-Verkauf gelten zunächst dieselben Grundlagen wie für jeden anderen Verkauf: Gewerbeanmeldung, Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung, Hygiene und Kennzeichnung. Auch wer nur online verkauft und gar keinen Laden hat, ist Lebensmittelunternehmer und muss sich registrieren. Die Grundlagen fasst der Ratgeber Lebensmittel herstellen und verkaufen zusammen.
Online kommen zwei Ebenen dazu: die Regeln für den Fernabsatz, also für Verträge, die ohne persönlichen Kontakt geschlossen werden, und die praktische Frage, wie ein Lebensmittel heil, sicher und rechtzeitig beim Kunden ankommt. Alles hier ist eine allgemeine Übersicht und keine Rechtsberatung.
Welche Vorschriften gelten beim Online-Verkauf von Lebensmitteln?
| Thema | Was grundsätzlich gilt |
|---|---|
| Pflichtangaben im Shop | Bezeichnung, Zutaten, Allergene, Nettofüllmenge, Hersteller und weitere Pflichtangaben müssen vor dem Kauf auf der Produktseite stehen. Das MHD muss erst auf der gelieferten Ware stehen. |
| Grundpreis | Neben dem Endpreis ist bei Lebensmitteln nach Gewicht oder Volumen meist der Preis pro Kilogramm oder Liter anzugeben. |
| Impressum und Datenschutz | Vollständige Anbieterkennzeichnung und eine Datenschutzerklärung sind Pflicht. |
| Widerruf | Verbraucher haben grundsätzlich ein Widerrufsrecht. Für schnell verderbliche Ware und für versiegelte Ware, die aus Hygienegründen nicht zurückgegeben werden kann, gibt es Ausnahmen. |
| Versand und Temperatur | Die Ware muss so ankommen, wie sie gelagert werden soll. Gekühlte oder tiefgekühlte Produkte brauchen einen passenden Versand. |
| Verpackungsgesetz | Auch Versandkartons und Füllmaterial zählen als Verpackung und müssen lizenziert werden. |
Gerade bei Widerrufsbelehrung, AGB und Datenschutzerklärung lohnt sich professionelle Unterstützung. Fehler in Rechtstexten sind ein häufiger Grund für Abmahnungen. Lass deine Texte von einem Anwalt oder einem spezialisierten Dienst erstellen oder prüfen.
Am einfachsten erfüllst du die Pflichtangaben, wenn auf jeder Produktseite ein gut lesbares Foto der Etikettenrückseite steht und zusätzlich die Angaben als Text. So findet der Kunde Allergene auch auf dem Handy, und du musst bei einer Rezepturänderung nur zwei Stellen anpassen.
Selbstgemachte Lebensmittel online verkaufen: was ist anders?
Rechtlich nichts: Wer selbstgemachte Marmelade, Kekse oder Gewürzmischungen online verkauft, muss dieselben Regeln einhalten wie ein großer Hersteller. Der Unterschied liegt in der Praxis. Nicht jedes Produkt eignet sich für den Paketversand, und je selbstgemachter das Produkt, desto eher fehlen Haltbarkeitstests und stabile Verpackung.
| Produkt | Eignung für Versand | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Gewürze, Tee | Gut | Aromadichte Verpackung, geringes Gewicht |
| Honig, Aufstriche, Saucen im Glas | Gut | Bruchsichere Polsterung, Deckel gesichert |
| Kekse, Gebäck | Mittel | Bruch, Feuchtigkeit, Haltbarkeit über mehrere Tage |
| Saft, Limonade | Mittel | Gewicht, Glasbruch, Versandkosten pro Flasche |
| Pralinen, Schokolade | Saisonal | Hitze im Sommer, gegebenenfalls Kühlakkus oder Versandpause |
| Speiseeis, frische Backwaren | Schwierig | Tiefkühlversand oder sehr kurze Laufzeit nötig |
Glas, Hitze, Kälte: Versand von Lebensmitteln praktisch
Bevor du den ersten Kunden belieferst, schick dir selbst fünf Pakete an unterschiedliche Adressen, am besten an Freunde in anderen Regionen. Öffne sie gemeinsam per Videocall und schau, was angekommen ist. Gläser brauchen Abstand zueinander und zur Kartonwand, Deckel sollten zusätzlich gesichert sein. Schokolade und Pralinen schickst du im Hochsommer nur mit Kühlelement oder gar nicht. Für gekühlte Ware gibt es spezielle Versandlösungen mit isolierten Boxen. Sie sind deutlich teurer und lohnen sich meist nur für Warenkörbe mit höherem Wert. Leg außerdem fest, an welchen Wochentagen du verschickst. Ein Paket, das freitags losgeht, liegt oft übers Wochenende im Depot.
Wer zum Beispiel Gewürze verkaufen will, hat es im Versand deutlich leichter als jemand, der Torten anbietet. Bei Keksen entscheidet die Verpackung darüber, ob Bewertungen von Bruch oder vom Geschmack handeln.
Wo du Lebensmittel online verkaufen kannst
| Weg | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Eigener Onlineshop | Volle Kontrolle über Marke, Preise und Kundendaten | Du musst Besucher selbst gewinnen |
| Große Marktplätze | Viel Laufkundschaft | Gebühren, starke Preisvergleiche, wenig Markenbindung |
| Regionale Plattformen und digitale Hofläden | Kundschaft sucht gezielt regionale Produkte | Begrenzte Reichweite |
| Social Media mit Shop-Funktion | Produkt direkt erlebbar, Geschichten erzählbar | Viel Aufwand für Inhalte |
Für die meisten Manufakturen ist der eigene Shop die Basis, weil dort Marke, Preis und Kundenkontakt in deiner Hand bleiben. Marktplätze und regionale Plattformen können zusätzlich Reichweite bringen. Achte aber darauf, dass deine Preise überall stimmig sind. Wenn dein Produkt auf einem Marktplatz günstiger ist als in deinem eigenen Shop, kaufen Stammkunden dort, und du zahlst Gebühren für Kunden, die du schon hattest.
So baust du deinen Lebensmittel-Shop auf
- Klein startenBeginne mit drei bis fünf Artikeln, die sich gut verschicken lassen und gut verkaufen. Ein Set aus mehreren Sorten erhöht den Warenkorb.
- Fotos und TextePro Produkt ein freigestelltes Bild, ein Bild in Anwendung und ein Foto der Etikettenrückseite. Dazu ein kurzer Text, wofür das Produkt passt.
- Rechtstexte und PflichtangabenImpressum, Datenschutz, Widerruf und AGB prüfen lassen, Pflichtangaben und Grundpreis bei jedem Artikel eintragen.
- Versand festlegenKartongrößen, Polstermaterial, Versanddienstleister, Versandtage und eine Grenze für kostenlosen Versand.
- Erste Kunden aus dem UmfeldBestehende Marktkunden, Newsletter, Social Media. Bitte die ersten Käufer um eine ehrliche Bewertung.
- Nachkauf anstoßenEine Mail nach drei bis vier Wochen mit Rezeptidee oder Nachfüllangebot bringt Stammkunden zurück.
Was ein Paket mit Lebensmitteln wirklich kostet
Viele Hersteller unterschätzen, wie viel vom Verkaufspreis im Versand und in der Werbung verschwindet.
Beispielrechnung, angenommene Werte: Ein Gewürzset kostet im Shop 24,90 Euro. Ohne 7 Prozent Mehrwertsteuer bleiben 23,27 Euro. Davon gehen ab: 6,50 Euro für die Ware, 1,20 Euro für Karton und Polster, 5,50 Euro Versand, weil du versandkostenfrei anbietest, 0,60 Euro Zahlungsgebühr und 6,00 Euro Werbekosten pro Bestellung. Übrig bleiben 3,47 Euro für deine Arbeit, Miete und Gewinn.
Die Hebel liegen auf der Hand: größere Warenkörbe, Sets, Abos für Nachkäufer und Stammkunden, die ohne Werbung wieder bestellen. Und ein zweiter Kanal, bei dem nicht jedes Glas einzeln verschickt wird.
Online an Händler verkaufen statt nur an Endkunden
Der Endkundenshop ist für viele Manufakturen der Start. Mehr Menge pro Paket bringt der Verkauf an Wiederverkäufer. Ein Feinkostladen bestellt nicht ein Glas, sondern zwei Kartons, und der Versand verteilt sich auf viele Stück. Auch Onlinehändler mit eigenem Feinkost- oder Geschenkesortiment sind interessante Abnehmer. Wie Läden digital bei dir bestellen können, vergleicht die Seite Händlerportal oder Bestellung per Mail.
Wege zu solchen Händlern sind B2B-Marktplätze, die im Ratgeber B2B-Marktplätze für Hersteller eingeordnet werden, oder Kampagnen, die Ladeninhaber direkt ansprechen. LeadB2B baut solche Kampagnen im Namen und Look des Herstellers auf. Geprüfte Anfragen landen in einer eigenen Kundenplattform, über die später auch Nachbestellungen laufen. Welche Versandkosten du Händlern berechnest, klärst du am besten früh, Hinweise dazu stehen im Ratgeber Versandkosten und Lieferbedingungen.
Checkliste vor dem Start deines Shops
- Registrierung bei der Lebensmittelüberwachung und Gewerbeanmeldung erledigt
- Pflichtangaben auf jeder Produktseite, Allergene gut sichtbar
- Grundpreis bei allen Artikeln nach Gewicht oder Volumen
- Impressum, Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung und AGB geprüft
- Verpackungsregister und Systembeteiligung inklusive Versandverpackung
- Versandtest mit eigenen Paketen, auch im Sommer
- Kalkulation pro Bestellung inklusive Versand und Werbung
- Plan für Stammkunden und für den Verkauf an Händler
