Großhandel oder Direktvertrieb. Welcher Weg in den Handel?

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Kurz gesagt

Über den Großhandel erreichst du viele Wiederverkäufer mit wenig Logistikaufwand, gibst aber Marge und den direkten Kontakt zum Laden ab. Im Direktvertrieb belieferst du Händler selbst, behältst mehr Marge und lernst deine Kunden kennen, musst dafür aber Akquise, Versand und Rechnungen selbst stemmen. Welcher Weg besser ist, hängt von deiner Marge, deinem Produkt und der Zahl der Händler ab, die du erreichen willst.

Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026

Großhandel und Direktvertrieb im direkten Vergleich

KriteriumGroßhandelDirektvertrieb
Marge pro StückNiedriger, weil der Großhändler eine eigene Spanne brauchtHöher, keine zusätzliche Handelsstufe
ReichweiteViele Abnehmer über das Netz des GroßhändlersSo viele Händler, wie du selbst gewinnst
LogistikWenige große Lieferungen, oft palettenweiseViele kleine Pakete an einzelne Läden
Rechnungen und ForderungenEin Kunde, wenige RechnungenViele Rechnungen, Mahnwesen, Ausfallrisiko
Kontakt zum LadenIndirekt, oft weißt du nicht, wer dein Produkt führtDirekt, du kennst jeden Händler
Einfluss auf PräsentationGeringHoch, durch Beratung, POS-Material und Verkostung
EinstiegDie Listung beim Großhändler muss erst gelingenJeder Laden entscheidet selbst

Wann Großhandel die bessere Wahl ist

Der Großhandel ist die bessere Wahl, wenn du sehr viele kleine Abnehmer erreichen willst, die ihr Sortiment am liebsten bei einem Lieferanten bündeln, etwa Kioske, Tankstellenshops oder Gastronomie. Er passt, wenn deine Marge eine zusätzliche Handelsstufe trägt und du dich lieber auf die Produktion konzentrierst als auf Versand und Rechnungen. Auch bei großen Mengen mit stabiler Nachfrage spielt er seine Stärken aus.

Wann Direktvertrieb die bessere Wahl ist

Direktvertrieb passt besser, wenn deine Marke von Geschichte, Herkunft und Beratung lebt und du den Kontakt zum Laden selbst halten willst. Er lohnt sich bei Händlern wie Hofläden, Feinkostläden oder Cafés, die gern direkt beim Hersteller kaufen, und bei knapper Marge, die keine zweite Spanne verträgt. Und er gibt dir das, was der Großhandel selten liefert: direktes Feedback, welche Sorten wo laufen.

Wie verändert eine zusätzliche Handelsstufe deine Marge?

Beim Großhandel müssen drei Parteien vom Regalpreis leben: du, der Großhändler und der Einzelhändler. Das klingt nach einem großen Unterschied, aber der Direktvertrieb hat eigene Kosten. Eine ehrliche Rechnung berücksichtigt beides.

Beispielrechnung, angenommene Werte: Eine Chipsmanufaktur will, dass ihre Tüte im Laden 2,99 Euro kostet, netto bei 7 Prozent Mehrwertsteuer rund 2,79 Euro. Der Einzelhändler braucht 35 Prozent Handelsspanne, sein Einkaufspreis liegt also bei rund 1,82 Euro. Im Direktvertrieb bekommt die Manufaktur diese 1,82 Euro. Über einen Großhändler, der angenommen 20 Prozent auf seinen Verkaufspreis braucht, bleiben ihr rund 1,46 Euro. Der Unterschied beträgt 0,36 Euro pro Tüte. Kosten Packen, Versand und Rechnung im Direktvertrieb aber rund 0,25 Euro pro Tüte, schrumpft der echte Unterschied auf etwa 0,11 Euro.

Dazu kommen im Direktvertrieb die Kosten, neue Händler überhaupt erst zu gewinnen. Erst wenn du alle Posten kennst, kannst du die Wege ehrlich vergleichen.

Was spricht für den Großhandel?

Reichweite und Einfachheit. Ein Großhändler hat Kunden, die du allein nie erreichen würdest, und liefert sie mit eigener Logistik. Du schreibst wenige Rechnungen und packst Paletten statt einzelner Kartons. Für Produkte mit hohem Durchsatz und für Abnehmer, die nicht bei zwanzig Herstellern einzeln bestellen wollen, ist das oft der einzige praktikable Weg.

Fair ist auch: Ein Großhändler, der dein Produkt listet, nimmt dir die Arbeit ab, Hunderte kleine Kunden einzeln zu betreuen. Für eine Manufaktur mit drei Mitarbeitern kann das der Unterschied sein zwischen Wachstum und Überlastung. Wer nicht weiß, wie er zwanzig neue Rechnungen im Monat schreiben und nachhalten soll, ist mit einem großen Abnehmer oft besser bedient.

Was spricht für den Direktvertrieb?

Nähe und Kontrolle. Du weißt, wer deine Chips führt, kannst Sortenempfehlungen geben, Displays mitschicken und eine Verkostung anbieten. Du merkst früh, wenn ein Laden nicht nachbestellt, und kannst reagieren. Und du baust eine Kundenbasis auf, die dir gehört, statt von der Listungsentscheidung eines einzelnen Großhändlers abzuhängen.

Wie kommst du im Direktvertrieb an genug Händler?

Das ist der Engpass. Ohne laufende Akquise bleibt der Direktvertrieb klein, und der Großhandel wirkt verlockend. Wege sind Messen, Handelsvertreter, eigene Ansprache oder planbare Kampagnen wie das HQL-Framework, bei dem geprüfte Händleranfragen direkt bei dir landen. Mehr dazu im Ratgeber Neue Händler gewinnen.

Kannst du beide Wege parallel nutzen?

Ja, viele Hersteller tun das, etwa Direktvertrieb an den Fachhandel und Großhandel für Gastronomie und Kioske. Wichtig ist eine Preisstruktur, bei der dein Direktpreis an Läden nicht unter dem Preis liegt, den diese beim Großhändler zahlen würden. Sonst untergräbst du deinen eigenen Partner.

Preisstruktur zuerst

Leg fest, welcher Kanal welche Kunden bedient und welche Preise dort gelten, bevor du mit einem Großhändler verhandelst. Nachträglich lässt sich ein Preiskonflikt nur schwer auflösen.

FAQ

Fragen zum Vergleich. Kurz beantwortet.

Wie viel Spanne braucht ein Großhändler?

Das ist je nach Branche und Großhändler verschieden, einen festen Wert gibt es nicht. Frag den Großhändler direkt, mit welcher Spanne er kalkuliert, und rechne von deinem gewünschten Regalpreis rückwärts. Am Ende muss auch der Einzelhändler noch seine Spanne bekommen.

Verliere ich im Großhandel den Kontakt zu meinen Händlern?

Oft ja, zumindest teilweise. Der Großhändler beliefert die Läden, und du erfährst nicht automatisch, wer dein Produkt führt. Manche Großhändler teilen Abverkaufsdaten, frag danach, bevor du startest.

Ab wann lohnt sich Direktvertrieb?

Direktvertrieb lohnt sich, wenn deine Händler regelmäßig nachbestellen und die Bestellungen groß genug sind, um Versand und Abwicklung zu tragen. Rechne aus, was dich eine Bestellung kostet, und setze Mindestbestellwert und Frachtfreigrenze entsprechend.

Kann ich gleichzeitig an Großhändler und direkt an Läden liefern?

Ja, viele Hersteller machen das. Damit es keinen Ärger gibt, brauchst du eine Preisstruktur, bei der der Großhändler nicht von deinen Direktpreisen unterboten wird, und eine klare Aufteilung, welche Kundengruppen über welchen Weg laufen.

Hol dir die Händler, bevor es dein Wettbewerber tut.

Die Zahl passender Handelspartner in deiner Branche ist begrenzt. Im Potenzialgespräch zeigen wir dir, wie viele davon für dein Produkt erreichbar sind.

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