Direktvertrieb: Wie komme ich an Kunden? Händler direkt gewinnen.

Tim VogelTim Vogel, Gründer LeadB2B·7 Min. Lesezeit·Vertrieb
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Kurz gesagt

Im Direktvertrieb kommst du an Kunden, indem du einen festen Ablauf aufbaust: Zielkunden klar festlegen, bei genau diesen Kunden sichtbar werden, jede Anfrage schnell und persönlich beantworten und nach dem ersten Kauf die Nachbestellung aktiv begleiten. Für Hersteller heißt Direktvertrieb an Händler, Läden ohne Großhändler oder Vertreter selbst zu gewinnen und zu beliefern. Das kostet Zeit, bringt aber die volle Marge und den direkten Draht zum Laden.

Von Tim Vogel, Gründer LeadB2B · Aktualisiert am 01.11.2026

Was bedeutet Direktvertrieb für einen Hersteller?

Direktvertrieb heißt, dass zwischen dir und deinem Kunden niemand steht, der mitverdient. Für einen Lebensmittel- oder Getränkehersteller gibt es zwei Formen, die oft verwechselt werden:

ModellDein KundeVorteilNachteil
Direktvertrieb an EndkundenVerbraucher über Hofverkauf, Markt, OnlineshopHöchster Preis pro Stück, direktes FeedbackViele kleine Bestellungen, hoher Aufwand pro Euro
Direktvertrieb an HändlerLäden, Cafés, Hotels ohne Großhändler oder Vertreter dazwischenGrößere Bestellungen, volle Händlermarge bleibt bei dirDu musst Akquise, Logistik und Betreuung selbst leisten

Dieser Ratgeber konzentriert sich auf den Direktvertrieb an Händler, weil dort für die meisten Manufakturen die Menge liegt. Ob dieser Weg oder ein Großhändler besser zu dir passt, klärt der Ratgeber Großhandel oder Direktvertrieb.

Direktvertrieb an Händler: wie komme ich an Kunden?

Kunden kommen im Direktvertrieb nicht durch einzelne Aktionen, sondern durch einen Ablauf, der jede Woche gleich läuft. Er hat vier Stufen:

  1. Zielkunden festlegenWelche Ladentypen in welcher Region passen zu deinem Produkt? Schreib das so konkret auf, dass du bei jedem Laden in Sekunden Ja oder Nein sagen kannst.
  2. Sichtbar werdenSorge dafür, dass genau diese Läden dich wahrnehmen: über Besuche, Empfehlungen, einen Händlerbereich auf deiner Website, Social Media und Kampagnen, die gezielt Ladeninhaber ansprechen.
  3. Anfragen in Gespräche verwandelnAntworte schnell, am besten am selben Tag. Prüfe kurz, ob der Laden passt, und schlage einen konkreten nächsten Schritt vor: Probierset, Telefonat oder Besuch.
  4. Von der Erstbestellung zur NachbestellungBegleite die erste Lieferung, frag nach dem Abverkauf und erinnere rechtzeitig an die nächste Bestellung.

Die dritte Stufe entscheidet mehr, als viele denken. Eine Händleranfrage verliert mit jedem Tag an Wert, weil der Inhaber in der Zwischenzeit andere Marken sieht. Warum die ersten Stunden zählen, erklärt der Ratgeber Speed to Lead. Wie du Anfragen sinnvoll sortierst, steht unter Händleranfragen qualifizieren.

Kanäle im Direktvertrieb im Vergleich

KanalWie Kunden entstehenPlanbarkeitZeitaufwand
Persönliche BesucheDu stellst dich im Laden vor und lässt Proben daGering, abhängig von deiner ZeitHoch
MessenHändler kommen an deinen StandNur zu festen TerminenHoch, inklusive Vorbereitung
EmpfehlungenZufriedene Händler nennen dich KollegenGering, aber sehr gute QualitätGering
Händlerbereich auf der WebsiteLäden finden dich und fragen anMittel, abhängig von BesucherzahlenGering nach dem Aufbau
Social MediaLadeninhaber entdecken dich über InhalteMittelLaufend
Gezielte Kampagnen für HändlerPassende Läden sehen dein Angebot und fragen anHochMittel

Kaltakquise per Telefon oder Mail fehlt in der Tabelle bewusst. Sie ist rechtlich heikel und bei kleinen Läden selten wirksam. Den Unterschied zu Anfragen, die von Händlern selbst ausgehen, zeigt der Vergleich Kaltakquise oder qualifizierte Anfragen.

Deine Wochenroutine im Direktvertrieb

Direktvertrieb scheitert selten am Wissen, sondern an der Zeit. Produktion und Versand drängen sich immer vor. Eine feste Routine schützt den Vertrieb. Ein Beispiel für eine Manufaktur, die drei bis vier Stunden pro Woche einplant:

TagAufgabeDauer
MontagNeue Anfragen beantworten, Probiersets packen und verschicken45 Minuten
DienstagBei Händlern nachfassen, die vor einer Woche ein Probierset bekommen haben30 Minuten
MittwochBestandskunden anrufen, deren Nachbestellung fällig ist45 Minuten
DonnerstagEinen oder zwei Läden in der Region besuchen60 bis 90 Minuten
FreitagZahlen prüfen: neue Anfragen, Gespräche, Erstbestellungen, Nachbestellungen15 Minuten
Eine Anfrage, ein Ansprechpartner, ein Tag

Leg fest, wer im Betrieb für Händleranfragen zuständig ist, und dass jede Anfrage spätestens am nächsten Werktag eine persönliche Antwort bekommt. Eine automatische Eingangsbestätigung zählt nicht. Diese eine Regel bringt oft mehr als ein neuer Kanal.

Was du für den Direktvertrieb an Händler vorbereitet haben musst

Wer direkt an Läden liefert, übernimmt Aufgaben, die sonst ein Großhändler erledigt. Bevor du die ersten Kunden gewinnst, sollten diese Abläufe stehen:

  • Versand an Einzelläden: Kartongrößen für typische Bestellmengen, bruchsichere Verpackung, ein fester Versandtag.
  • Bestellweg: Ein einfacher Weg, auf dem Läden bestellen können, ohne dich anrufen zu müssen, etwa ein Bestellformular oder ein Händlerportal.
  • Rechnung und Zahlung: Klare Zahlungsbedingungen, eine Regel für die erste Bestellung und ein Blick auf offene Posten jede Woche.
  • Lieferzeit: Eine Zusage, die du auch in der Saison halten kannst. Lieber vier Werktage zuverlässig als zwei Werktage mit Ausnahmen.
  • Kundenübersicht: Wer hat wann was bestellt, wann ist die nächste Bestellung fällig?

Die ersten 20 Händler: ein 90-Tage-Plan

ZeitraumZielSchwerpunkt
Tag 1 bis 30Abläufe stehen, 40 passende Läden ausgewähltHändlerbereich auf der Website, Probiersets, Konditionenblatt
Tag 31 bis 60Erste 10 ErstbestellungenBesuche, Empfehlungen, Kampagnen, schnelle Antworten
Tag 61 bis 9020 Händler, erste NachbestellungenAbverkauf erfragen, nachfassen, Empfehlungen aktiv erbitten

Die Zahlen im Plan sind Beispielwerte. Passe sie an deine Zeit und dein Produkt an. Wichtig ist, dass jede Phase ein messbares Ziel hat.

Beispielrechnung: was ein Händler im Direktvertrieb wert ist

Beispielrechnung, angenommene Werte: Ein Feinkostladen bestellt zum Start für 300 Euro und danach fünfmal im Jahr für je 250 Euro. Das sind 1.550 Euro Umsatz im ersten Jahr. Bei 40 Prozent Marge nach Herstellkosten und Versand bleiben 620 Euro. Für die Gewinnung hast du ein Probierset für 25 Euro, drei Stunden Arbeitszeit zu je 40 Euro und anteilige Werbekosten von 80 Euro aufgewendet, zusammen 225 Euro. Schon im ersten Jahr bleiben 395 Euro, und jedes weitere Jahr mit Nachbestellungen kostet kaum noch Akquise.

Mit dem Rechner für den Händler-Kundenwert setzt du deine eigenen Zahlen ein. Die Rechnung zeigt auch, wie viel du für die Gewinnung eines neuen Händlers ausgeben darfst, ohne Geld zu verlieren.

Direktvertrieb an Endkunden: kurz eingeordnet

Hofverkauf, Wochenmarkt und Onlineshop sind für viele Hersteller der Anfang. Sie bringen schnell Geld in die Kasse und zeigen dir, welche Sorten ankommen. Als Hauptkanal sind sie oft mühsam, weil jeder Euro einzeln verdient werden muss. Gut kombinieren lassen sie sich trotzdem: Endkunden erzählen dir, in welchen Läden sie sonst einkaufen, und diese Läden sind deine nächsten Zielkunden. Für den Onlineshop gelten eigene Regeln, die der Ratgeber Lebensmittel online verkaufen zusammenfasst.

Wenn der Direktvertrieb an seine Grenzen kommt

Irgendwann reicht die Wochenroutine nicht mehr, weil die Zahl der Anfragen zu klein ist oder die Zeit für Besuche fehlt. Dann hast du zwei Möglichkeiten: Zwischenhändler einschalten und Marge abgeben, oder den Direktvertrieb planbar machen. Bei LeadB2B geschieht das über Kampagnen im Namen und Look des Herstellers. Jede Anfrage wird geprüft, landet sofort in der eigenen Kundenplattform, und Erinnerungen an Nachbestellungen laufen mit. Wie schnell das gehen kann, zeigt die Geschichte von EZ Originalz: über 70 Anfragen in der ersten Woche und sechs Abschlüsse noch in derselben Woche.

Typische Fehler im Direktvertrieb

  • Vertrieb nur, wenn Zeit übrig ist: Ohne feste Termine im Kalender passiert in der Saison gar nichts.
  • Jeder Laden ist ein Kunde: Unpassende Läden kosten Zeit und bestellen selten nach.
  • Kein Überblick: Anfragen in drei Postfächern, Notizen auf Zetteln. Ein einfaches CRM oder eine saubere Liste reicht für den Anfang.
  • Nach der Erstbestellung Funkstille: Der Wert eines Händlers entsteht in der Nachbestellung.
FAQ

Fragen zum Thema. Kurz beantwortet.

Wie komme ich im Direktvertrieb an Kunden?

Mit einem festen Ablauf: Zielkunden festlegen, bei diesen sichtbar werden, Anfragen am selben oder nächsten Tag beantworten und nach der ersten Bestellung die Nachbestellung begleiten. Gute Kanäle sind Besuche, Empfehlungen, ein Händlerbereich auf der Website und gezielte Kampagnen für Ladeninhaber.

Was ist Direktvertrieb an Händler?

Du verkaufst deine Produkte selbst an Läden, Cafés oder Hotels, ohne Großhändler oder Handelsvertreter dazwischen. Die Marge, die sonst ein Zwischenhändler bekommt, bleibt bei dir, dafür übernimmst du Akquise, Logistik und Betreuung.

Ist Direktvertrieb besser als Großhandel?

Das hängt von deinen Zielläden, Mengen und Kapazitäten ab. Direktvertrieb bringt mehr Marge und direkten Kontakt, der Großhandel mehr Reichweite bei weniger Aufwand. Viele Hersteller kombinieren beides je nach Region.

Wie viel Zeit kostet Direktvertrieb an Händler?

Für eine kleine Manufaktur sind drei bis vier feste Stunden pro Woche ein realistischer Start. Wichtiger als die Zahl der Stunden ist, dass sie fest im Kalender stehen und nicht der Produktion zum Opfer fallen.

Darf ich Händler im Direktvertrieb einfach anrufen?

Im B2B-Bereich ist ein Anruf nicht grundsätzlich verboten, setzt aber eine mutmaßliche Einwilligung voraus, also ein erkennbares sachliches Interesse des Ladens. Werbe-E-Mails ohne Einwilligung sind heikel. Das ist keine Rechtsberatung, im Zweifel fragst du einen Anwalt.

Hol dir die Händler, bevor es dein Wettbewerber tut.

Die Zahl passender Handelspartner in deiner Branche ist begrenzt. Im Potenzialgespräch zeigen wir dir, wie viele davon für dein Produkt erreichbar sind.

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