Eine Listungsgebühr ist eine Leistung, die ein Händler, meist eine größere Kette, vom Hersteller dafür verlangt, ein neues Produkt ins Sortiment aufzunehmen. Sie kann als Geldbetrag, als Rabatt oder als Gratisware für die Erstausstattung vereinbart werden.
Listungsgebühren sind vor allem im organisierten Lebensmittelhandel ein Thema. Der Händler argumentiert, dass er mit dem neuen Artikel ein Risiko eingeht: Regal wird umgebaut, Daten werden gepflegt, ein anderer Artikel fliegt raus. Für kleine Hersteller kann das eine echte Hürde sein, weil sie die Kosten tragen, bevor ein einziges Glas verkauft ist.
Gibt es Listungsgebühren auch im Fachhandel?
Bei inhabergeführten Läden wie Hofläden, Feinkostläden oder Cafés sind Listungsgebühren unüblich. Dort entscheidet der Inhaber nach Produkt, Spanne und Geschichte. Manchmal wird stattdessen um Gratisware für eine Verkostung oder um ein kostenloses Display gebeten. Das ist deutlich überschaubarer.
Wie gehst du mit der Forderung nach einer Listungsgebühr um?
- Frag konkret, wofür Geld oder Ware verwendet werden und was du dafür bekommst, etwa Platzierung oder Aktionsfläche.
- Rechne aus, wie viele Einheiten verkauft werden müssen, bis sich die Leistung amortisiert.
- Vereinbare alles schriftlich, inklusive Laufzeit der Listung.
- Prüfe, ob der Weg über kleinere, unabhängige Händler für dich gerade sinnvoller ist.
Rund um Zahlungen an Händler gibt es kartell- und wettbewerbsrechtliche Grenzen. Das hier ist keine Rechtsberatung, bei konkreten Vereinbarungen fragst du einen Anwalt. Verwandt ist der Werbekostenzuschuss, der für Werbeleistungen statt für die Aufnahme gezahlt wird.
Für Lebensmittel gelten seit 2021 eigene Regeln: Im Anwendungsbereich des AgrarOLkG sind Listungsgebühren grundsätzlich verboten, außer bei der Markteinführung. Details stehen im Ratgeber Was kostet es, ein Produkt im Supermarkt zu verkaufen?.
Was ist ein Beispiel für Listungsgebühr?
Beispielrechnung, angenommene Werte: Eine kleine Chipsmanufaktur soll für eine regionale Listung in zehn Märkten Gratisware im Wert von 1.500 Euro liefern. Ihr Deckungsbeitrag liegt bei 0,60 Euro pro Tüte. Damit sich das lohnt, müssen die zehn Märkte zusammen 2.500 Tüten verkaufen, also 250 pro Markt. Die Manufaktur prüft, wie realistisch das in der vereinbarten Listungszeit ist, bevor sie zusagt.